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Wilfried Weyer

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Vorwort von Wilfried Weyer

Vom 11. bis 18.  Juli 1882 wurde das 7. Mitteldeutsche Bundesschießen in Berlin gemeinsam mit dem 7. Brandenburgischen Provinzial-Bundesschießen durchgeführt.

In diesem Jahr ist auch der Beginn unserer Vereinsgeschichte dokumentiert.

Das letzte Mitteldeutsche Bundesschießen wurde 1933 in Leipzig durchgeführt. Mit diesem Jahr begann, wie wir heute nur zu gut wissen, eine Zeit, die in unserem Volk, in unserem Land, in unserer Heimat und im Schützenwesen tiefe nachhaltige Spuren hinterlassen hat.

Nur 12 Jahre, die nach außen gewaltige Veränderungen und furchtbares Miterleben brachten, sollten nun Maßstab für eine Beurteilung des Schützenwesens sein?

Wir mussten erleben, wie die Politik versuchte auf das Schützenwesen, wie übrigens auch im gesamten Sport, Einfluss zu nehmen. Mit Gleichschaltung und Einheitssatzungen des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Körpererziehung mussten sich die Vereine von ihren Zielen, die über Jahrzehnte und über Jahrhunderte bestand hatten und in ihren Satzungen verankert waren, verabschieden.

Die erste Phase unserer Vereinsgeschichte endete mit dem 63. Jahr seit unserer Gründung im Jahre 1945.

Wieder war es die Politik, die uns auch nach 1945 unser Vereinsleben vorschrieb. Ein Vereinsleben hatte einfach nicht stattzufinden. Infolge der Militärgesetzgebung der Alliierten war jede Tätigkeit im Schützenwesen untersagt. Die Vereine wurden verboten. Das Vereinsvermögen wurde der Treuhandverwaltung übertragen.

Zu einer Löschung im Vereinsregister kam es jedoch nicht, sodass der Verein zwar noch bestand, jedoch eine Tätigkeit untersagt war. Dieser Umstand führte natürlich dazu, dass mit großem Einsatz die Wiederaufnahme des Vereinslebens betrieben wurde.

Während in Westdeutschland im Jahre 1949 die ersten Schützenfeste gefeiert werden konnten, im Bereich Eibe-Wesermündung 1950 die erste Verbandesgründung vollzogen wurde, kam man auch in Berlin voran.

Die Verhandlungen mit den Besatzungsmächten und dem Oberbürgermeister von Berlin führten zum Erfolg. Die Schützenvereine wurden im Jahre 1950 als nichtpolitische Organisationen anerkannt und so konnten in Berlin, als die ältesten Vereine, die Schützengilde zu Spandau 1334 (Korp.), die Schützengilde Berlin 1433 (Korp.) und die Berliner Schützengesellschaft e.V. von 1882 ihren Geschäftsbetrieb wieder aufnehmen.

Den Kameraden dieser Vereine ist es zu verdanken, dass das Schützenwesen in Berlin nach einer schwierigen Phase wieder aufleben konnte.  Sie haben trotz Verbot den Mut gefunden, sich mit Zuversicht für das Schützenwesen einzusetzen.

Der damalige Vorstand der Berliner Schützengesellschaft e.V., bestehend aus den Kameraden Otto Glenske, Karl Rabel, Hans Vormelchert und Alex Gottwaldt, konnte die Mitglieder am 30.Januar 1951 zur entscheidenden Versammlung zur Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebes zum 11. Februar 1951 einladen.

An dieses Ereignis müsen wir nach nunmehr über einem halben Jahrhundert zurückblicken und feststellen, dass wir unser Ziel, das Erbe unserer Väter und Vorväter für das Schützenwesen einzusetzen und zu pflegen, noch nicht erreicht haben.

Während die treuhänderische Verwaltung im Westteil von Berlin die Schützen als nichtpolitische Organisationen anerkannte, unterstellte die treuhänderische Verwaltung im Ostteil von Berlin den Schützen einen militärischen, paramilitärischen Charakter.

Wer nun dachte, dass mit der Wiedervereinigung Deutschlands diese unterschiedliche und ungerechte Beurteilung geschichtlicher Fakten behoben würde, sieht sich getäuscht.

In der zweiten Phase unserer Vereinsgeschichte von 1951 bis heute, die geprägt ist von Aufbau, 100 jährigem Bestehen, Bau eines neuen Schützenhauses mit Sportanlage und der Wiedervereinigung haben wir die verbindenden Elemente unserer Schützentradition, wie Geselligkeit, Gemeinschaftserleben, Tradition und Sport zum Wohle und zum Erfolg für unsere Gesellschaft gepflegt.

Bei unserem Kampf gegen den Bürokratismus und gegen das unsinnige Bemühen, die Schützen in Berlin, aber nur die Schützen die ihren Grundbesitz im Ostteil unserer Stadt hatten, auch noch nach der Wiedervereinigung in eine Ecke zu stellen, in die sie nicht gehören, wünschen wir uns die Kraft, die unterschiedlichen Beurteilungen die zwischen Ost und West getroffen wurden, zu überwinden.

Es muss für uns eine Verpflichtung sein, wie die Gründer unserer Gesellschaft, mit der gleichen Willenskraft, dem gleichen Eifer und der gleichen Zielstrebigkeit, unserer Arbeit für das Schützenwesen fortzusetzen.

Wir können auf unsere Geschichte stolz sein.

Wilfried Weyer
Ehrenmitglied

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