Ansprechpartner Vereinsgeschichte:
  
Wilfried Weyer

zurück zur Übersicht


 

Daten zur Geschichte der Berliner Schützengesellschaft e. V.
Seite 3

1937 1938 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945 1946 1947
 

                                                                                                                                        
1937 Aufgrund der durch die vorgeschriebene Einheitssatzung dem Vereinführer erteilten Vollmacht bestellt dieser seinen Stellvertreter und benennt andere Vereinsfunktionäre. Diese Handhabung ist sicherlich für heutige und demokratische Verhältnisse unvorstellbar.
Der Lichtenberger Anzeiger berichtet am 4. Januar 1937: „Nach Auflösung des Berliner Schützenbundes gehören bekanntlich vom 1. Januar 1937 ab nicht nur sämtliche Schützengilden und Schützenvereine von Groß Berlin, sondern auch die bestehenden Kleinkaliber, Pistolenschützen und ähnliche Vereine dem Deutschen Schützenverband im Bund für Leibesübungen, Gau Berlin-Brandenburg, an.

                                                                                                                                        
1938 Schützenkönig wurde der spätere Vorsitzende und Ehrenvorsitzende Otto Glenske.
Am 9. Oktober finden die Meisterschaften von Deutschland in Berlin-Kaulsdorf im Vierwaffenkampf statt. Die Mannschaft der Berliner Schützengesellschaft wird Deutscher Meister mit 3494 Ringen durch die Kameraden Schulz (Wehrmann), Bohlig (Scheibengewehr), Andresen (KK) und Friedrich (Pistole).

                                                                                                                                        
1939 Die Zahl der Mitglieder nimmt stetig ab und hat sich auf 672 Mitglieder verringert, wovon 20 Ehrenmitglieder sind, deren Namen nicht mehr bekannt sind.
Die Baulichkeiten des Vereins haben immerhin den stattlichen Einheitswert von 183.000 Reichsmark.
Als Anleihen musste der Verein für durchgeführte Baumaßnahmen 105.500 Reichsmark aufnehmen.
Große Wettkämpfe kann der Verein nicht mehr durchführen, lediglich noch Übungs- und das schon traditionelle Monatsschießen. Die Schießstandanlagen standen gezwungenermaßen den Staatsorganen für die Wehrertüchtigung zur Verfügung.
Dem Geschick des Vereinsführers Paul Murche ist es zu verdanken, dass der Verein noch Hausherr des Schlosses Kaulsdorf blieb.
Am Rande bemerkt: Durch Straßenumbenennung lautet die Vereinsanschrift in Kaulsdorf künftig: Hellersdorfer Straße 25-35 (bisher 1-5).

                                                                                                                                        
1940 Während das gesellschaftliche Vereinsleben sich zwangsläufig unter den politischen Verhältnissen immer weiter zurückbildet, geht es sportlich wieder aufwärts. An den Wettkämpfen nehmen zehn Mannschaften des Vereins teil. 60 Rundenwettkämpfe werden in diesem Jahr durchgeführt.

                                                                                                                                        
1941 Der seit 1926 als Schatzmeister tätige Kamerad Bruno Haucke übernimmt das Amt des Vorsitzenden.
Für seine Tätigkeit benötigt er eine >Bestellung<, die ihm die Staatsorgane erteilen. Vierzehn Mannschaften, davon 2 Pistolenmannschaften, dokumentieren den umfangreichen Schießbetrieb, für den der langjährige Sportwart Dr. Lintz verantwortlich zeichnet.
Das 59. Königsschießen wird am 8. Juni 1941 durchgeführt.

                                                                                                                                        
1942 Siebzehn Jahre haben Ökonom Rudolf Seher und Frau das Schloß Kaulsdorf bewirtschaftet und zum Gelingen vieler Veranstaltungen und Feste beigetragen. Sie müssen durch Krankheit bedingt ihre Tätigkeit aufgeben.
In der Zeit 1942/1943 werden Teile des Schützenhauses als Sanitätsheerlager genutzt.

                                                                                                                                        
1943 Durch Kriegsereignisse wird die rechte Schießhalle zerstört, kann jedoch in kürzester Zeit durch den Einsatz des Ehrenmitgliedes Franz Benck wieder aufgebaut werden. Die wirtschaftlichen Verhältnisse erfordern es, dass für Baufond-Anleihen eine Zinssenkung auf 4 % notwendig wird.
Am 30. Mai kann am Königsessen nur teilnehmen, wer 100 g Fleisch-, 15 g Fett- und 25 g Nährmittelmarken abgegeben hat.
Im September 1943 wird der Kamerad Kurt Klötzer Gaumeister in der Disziplin Wehrmanngewehr.

                                                                                                                                        
1944 Bei einem Fliegerangriff am 3. Januar 1944 wurde der große Festsaal, der kleine Delegiertensaal, 2 Schießhallen und der Waffensaal mit Büchsenmacherei durch Feuer vollständig zerstört.
Das letzte Königs- und Vogelkönigsschießen vor dem Kriegsende findet am 20. August 1944 statt. Der Kamerad Hering wurde Vogelkönig.

                                                                                                                                        
1945 In den letzten Kriegstagen geschahen weitere Zerstörungen des Schlosses Kaulsdorf und der Schießanlagen.
Was an Baulichkeiten in der Folgezeit noch vorhanden und nutzbar war, wurde beschlagnahmt und zweckentfremdet. Es verschwanden sämtliche Trophäen, Pokale, Scheiben und wertvolles Vereinssilber. Damit war dem Vereinsleben für einen nicht überschaubaren Zeitraum ein jähes Ende bereitet.
Der Vorsitzende Kamerad Bruno Haucke, geb. am 9. Juli 1877 war bei den Kämpfen um Berlin zu Tode gekommen. Kamerad Haucke war von 1926 194o Schatzmeister und von 1941  1945 Vorsitzender.
Alle Schützenakten die sich in der Wohnung des Kameraden Haucke befanden wurden bei der Zerstörung seiner Wohnung durch Artilleriebeschuß vernichtet.
Am 21./22. April erreichen sowjetische Militäreinheiten Kaulsdorf. Das Schützenhaus dient bis August als Standquartier.
Die Schützenvereine werden verboten.
Am 30. Oktober wird die Immobilie Schützenhaus auf der Grundlage des SMAD-Befehls Nr. 124 durch die Deutsche Treuhand sequestiert.
Am 13. November teilt der 1. Schatzmeister der Berliner Schützengesellschaft e. V., Johannes Vormelchert, dem Bezirksamt Berlin-Lichtenberg mit, dass das beschlagnahmte Grundstück der Berliner Schützengesellschaft e.V. ca. 18 Morgen groß ist und sich in Kaulsdorf, Hönowerstr. befindet. Folgende Baulichkeiten befinden sich z.Zt. auf dem Grundstück: Das Schützenhaus mit vier Restaurationsräumen sowie alle dazugehörigen Nebenräume wie warme und kalte Küche, Abwaschküche, Keller und Garderobe. Infolge von Zerstörung und Beschlagnahme aller Restaurationseinrichtungen wie Tische, Stühle, Geschirr, Gläser usw. ruht dieselbe. Weiter Wohnungen für 5 Mieter die z.Zt. ebenfalls infolge Zerstörung unbewohnbar sind und die zur Ausübung des Schießsports notwendigen Schießhallen, Waffensäle, Stände 50, 100, 175, 300 Meter und die polizeilich vorgeschriebenen Blenden, Traversen und Kugelfänge. Weiter einen Hasenstand, zwei Stände laufendes Schwein und einen Tontaubenstand. Alle vorgenannten Jagdstände mit den dazugehörigen Schießhallen. Bei einem Fliegerangriff am 3. Januar 1944 wurde der große Saal, ein kleiner Saal (Delegiertensaal) sowie zwei Schießhallen, ein Waffensaal mit Büchsenmacherei durch Feuer vollständig vernichtet. Das Grundstück und sämtliche Gebäude waren von Truppen der Roten Armee vom April bis August d. Js. besetzt. Nach Räumung durch die Truppe wurde vom dortigen Bezirksamt der Abbau der Jagdstände sowie Hallen, Blenden und Traversen angeordnet.“
Das Bezirksamt Berlin-Lichtenberg wird gebeten alle Zuschriften, das Grundstück betreffend, an den 1 .Schatzmeister Johannes Vormelchert zu richten.

                                                                                                                                        
1946 Am 2. Februar 1946 wird das Vermögen der Berliner Schützengesellschaft e.V. sequestriert.
Nach dem Verbot der Schützenvereine waren es einzig und allein im Rheinland und darüber hinaus, besonders auch in Westfalen, die Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, die bereits 1946 von den Besatzungsbehörden die Genehmigung erhielten, als Schützenorganisationen in ihren Schützentrachten sich in der Öffentlichkeit ungehindert zu zeigen. Der Geistliche Rat Dr. Peter Louis, in Leverkusen - Bürrig, hatte den Besatzungsbehörden überzeugend bewiesen, dass die Schützenbruderschaften und Vereine keine militärischen Organisationen seien, die vielmehr nur ihr Brauchtum pflegen und das Schießen als den ältesten Mannessport als solchen ausüben wollen.
Nach seiner Rückkehr aus dem KZ  (Verhaftung am 16. Oktober 1944) stellte der letzte Sportleiter der Berliner Schützengesellschaft, Dr. Egon Lintz, Berlin-Grünau am 31. Oktober 1946 den Antrag den großen Grundbesitz der Gesellschaft in ein Sport- und Spielheim für die Allgemeinheit umzuwandeln, da in absehbarer Zeit der Jagd- und Schießsport wohl nicht mehr ausgeübt werden könne.
Sein Vorschlag an die Behörde zu diesem Zweck einen entsprechenden Notvorstand zu bestellen stieß auf taube Ohren.

                                                                                                                                        
1947 Am 21. März 1947 fordert das Bezirksamt Lichtenberg unseren 1.Schatzmeister Johannes Vormelchert auf, sofort Verzeichnisse von unserem beschlagnahmten Vermögen über vorhandene Möbel und Inventarien anzufertigen.
Im September wird die von Brandbomben zerstörte Schützenhalle (großer Festsaal) im Rahmen einer Übung von sowjetischen Truppen gesprengt.
Der am 24. Juni 1947 gewählte Oberbürgermeister Ernst Reuter wird von den Sowjets nicht anerkannt.

 

nach oben                                     zur Übersicht                       nächste Seite (1948 bis 1951)